8.9.15

Ein Fass voller Halbbegabung

Folgender Text entstand anlässlich der Tatsache, das ich das 25. Jahr auf der Bühne des Staatsschauspiels stehe und deshalb auch von hoher Stelle einen Blumenstrauß bekam.


"Ich glaube tatsächlich, der Schauspieler ist ein Fass voller Halbbegabungen, ein bisschen Pantomime hier, ein bisschen Singen da und Malen auch und Fechten, dann am Klavier mit rauer Stimme und Salto rückwärts bei Bedarf. Reiten kann er auch und dabei synchronisieren. Film und Hörspiel inklusive. Alles halb. Alles halb so wild. Manchmal läuft das Fass auch über, da probiert er Regisseur zu sein. Da greift er nach den Sternen. So, als spiele das Kind die Mutter nach, befruchtet sich selbst und gluckt über sich und sein Talent, behütet von Agenten, die laut den roten Teppich ordern. Da verliert er gänzlich den Kontakt, den er nie hatte. Er ist ein Scharlatan auf dünnem Eis, ein Dilettant. Ein kostbarer Lügner, ein armer Hund, ein streunender Köter. Den Tag damit verbringend seine Seele zu verschenken, um am Ende doch beklatscht zu werden."
AM 2015